Philosophie

Was bedeutet Reiten?

Im Reitergymnasium lernt ihr Kind alles, um später eine Reitbeteiligung annehmen oder ein eigenes Pferd haben können. Dazu gehört es, ein Pferd pflegen, satteln, zäumen, führen und reiten zu können. Doch das reicht noch nicht. Denn selbst das ruhigste Pferd erschrickt sich mal, das best erzogenste Pferd kann oder will Gelerntes plötzlich nicht mehr abrufen, das bravste Pferd hinterfragt mal seine Reiterin. Ist die Reiterin (der Reiter ist migemeint) unvorbereitet, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sie das unerwünschte Verhalten noch verstärkt und das „kindersichere“ Pferd plötzlich schlechte Angewohnheiten entwickelt. Ist sie jedoch in der Lage zu erkennen, warum ein Pferd unerwünschtes Verhalten zeigt und versteht sie, dieses mit erwünschtem Verhalten zu überschreiben, so wird sie nicht nur langfristig Freude am Reiten haben, ihr Pferd wird sich positiv weiterentwickeln, also noch „kindersicherer“ und „braver“ werden.

 

Warum tut ein Pferd nicht immer das, was die Reiterin möchte?

 

ANGST: Pferde sind Herdentiere. Das bedeutet, dass sie sich nach Möglichkeit mit anderen zusammenschliessen, um die Herausforderungen des Alltags gemeinsam zu meistern. Droht nun Gefahr, so muss ein Mitglied dieser Gemeinschaft entscheiden, ob etwas zu tun ist und was. Zur Auswahl stehen Flucht (flight), Angriff (fight) oder Erstarren (freeze).

Wenn eine Reiterin auf dem Pferd sitzt, so bildet sie mit ihrem Pferd eine Herde. Entscheidend ist nun, dass die Reiterin die Entscheidungsträgerin ist. Sie also entscheidet, ob Gefahr droht oder nicht und erstickt dadurch die Gedanken ihres Pferdes an Flucht im Keim. Um Entscheidungsträgerin zu werden, muss eine Reiterin dem Pferd mit ihrer Handlungsplanung zuvorkommen, sie muss zudem stets einen Plan haben. Wird sie jedoch unsicher, so stellt das Pferd ihre Rolle sofort wieder in Frage. Sie muss daher unbedingt lernen auf ihr Bauchgefühl zu hören um sich selbst nicht zu überfordern.

 

SCHMERZEN: Pferde drücken Schmerzen nicht mit Lauten aus, sondern mit Ausweichverhalten. Wann immer ein Pferd sich widerwillig zeigt, muss daher überprüft werden, ob es Schmerzen hat. Dazu reicht es nicht, zu wissen, wie ein Sattel oder ein Zaum richtig am Pferd zu sitzen hat. Schmerzen können auch von Verspannungen, Arthrose und anderen Erkrankungen herrühren die das Pferd aufgrund seiner Veranlagung mitbringt, oder die von der Einwirkung der Reiterin entstanden sind. Um sie zu lösen braucht jede Reiterin ein Grundverständnis der klassischen Gymnastizierung des Pferdes, auch bekannt als Dressurreiten. Mit ihr wird die Muskulatur des Pferdes gestärkt, gedehnt und über den ganzen Körper ausbalanciert. Wesentlich dabei ist die Gesundheit der Wirbelsäule, auf der ja auch das Gewicht der Reiterin ruht. Ergänzend hinzu kommt Spezialwissen zu anderen Gesundheitsthemen wie Hufpflege, Verdauung etc.

 

MISSVERSTÄNDNIS: Eine gute Reiterin weiss, dass sie ihr Pferd kleinschrittig an etwas Neues heranführgt um Abwehrreaktionen zu vermeiden. Sie weiss, wie sie erwünschtes Verhalten verstärkt und wie sie unerwünschtes Verhalten abstellt oder zumindest nicht weiter verstärkt. Sie nutzt dazu die sogenannte positive und negative Verstärkung. Bei der positiven Verstärkung wird ein erwünschtes Verhalten durch eine angenehme Belohnung wie ein Lob oder ein Futterwürfel verstärkt. Bei der negativen Belohnung wird mit einem unangenehmen aufgehört, sobald das Pferd die richtige Reaktion zeigt. Zum Beispiel wird so lange auf die Kruppe des Pferdes geklopft, bis dieses zur Seite weicht.

 

Was beisst sich mit den oben genannten Lernzielen?

 

Das Reitergymnasium bietet KEIN Ponyreiten ohne Kommunikation zwischen Reiter und Pferd wie dies bei Anlässen oft angeboten wird.

 

Das Reitergymnasium verachtet sportliche Betätigungen mit dem Pferd, bei der das Pferd zum Sportgerät degradiert wird. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Pferde zu Gehorsam und zu Leistungen gezwungen werden. Weit verbreitet ist die sogenannte Hyperflexion, bei der der Kopf des Pferdes mithilfe von Zügel und Hilfszügel weit hinter die Senkrechte gebracht wird. Das Pferd ist in dieser Position nicht nur wehrlos. Hyperflexion kann sehr schnell zu irreversiblen Haltungsschäden führen.

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